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“Freundlichkeit und Respekt sind das Wichtigste”

Ms Nhung

Manche haben Angst vor Ihnen, andere freuen sich auf die “billigen und willigen” Arbeitskräfte. Doch wer sind die jungen und ehrgeizigen ProgrammiererInnen Asiens? Lassen wir Lê Thi Hô’ng Nhung, eine junge Entwicklerin, die wir in Ho Chi Minh Stadt getroffen haben, sprechen.

Scherzend nennt man sie in der Firma auch “kleiner Tiger Nhung”. Doch wie eine gefährliche Tigerin kommt die Entwicklerin Lê Thi Hô’ng Nhung (Foto) dem Schreibenden nicht vor – eher wie eine ausgesprochen nette und durchaus selbstbewusste junge Ingenieurin.

Getroffen haben wir Lê Thi Hô’ng Nhung bei der Schweizer Softwarefirma Axon Active in Ho Chi Minh City, wo sie in einem Team für Soreco arbeitet.

Wie ist Ihre Karriere als Software-Spezialistin bisher verlaufen?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ich habe mein Informatik-Studium 2007 abgeschlossen und danach zweieinhalb Jahre für eine andere Schweizer Software-Firma gearbeitet. Dort habe ich mich weitergebildet, denn die technologische Ausbildung an der Uni war doch eher elementar. Seit 2010 arbeite ich nun bei Axon Active, wo ich seit Beginn weg für Soreco an der Entwicklung der CRM-Lösung arbeite.

Haben Sie bewusst nach einem Job in einer ausländischen Firma gesucht?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ja. Die meisten Uniabsolventen würden gerne in einer ausländischen Firma arbeiten, denn der Lohn ist besser. Ausserdem werden in ausländischen Firmen die neuesten Technologien eingesetzt und es gibt Weiterbildung. Ein weiterer Vorteil ist, dass man Englisch lernen kann und manchmal auch die Gelegenheit hat, im Ausland zu arbeiten.

Erzählen Sie mir doch etwas über Ihre Arbeitsbedingungen.

Lê Thi Hô’ng Nhung: Wir haben flexible Arbeitszeiten hier. Ich beginne zwischen 8.30 und neun Uhr. Feierabend mache ich zwischen fünf und 19.30 Uhr. Wenn es Probleme gibt, zum Beispiel weil wir einen Aufwand unterschätzt haben oder weil wir das beste Team sein möchten, müssen wir manchmal Überstunden machen.

Mein Arbeitsweg mit dem Motorrad (in Ho Chi Minh Stadt gibt es etwa vier Millionen Motorräder aber relativ wenig Autos) beträgt etwa eine Stunde. Ich lebe mit einer Freundin zusammen in einer Wohnung. Meine Familie lebt in einer kleinen Stadt auf dem Lande – weit weg von Ho Chi Minh City.

Wie sind Sie auf Axon Active gestossen?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ich habe die Stelle über eine Internet-Job-Site gefunden und mich beworben.

Wieviele Ferien haben Sie?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Wir haben die offiziellen Feiertage. Es sind etwa 18 Tage pro Jahr.

Was sind Ihre Lebensziele? Werden Sie auch einmal eine eigene Software-Firma haben?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ich mag Java, ich mag moderne Technologie und ich liebe es, zu programmieren. Deshalb möchte ich einen technischen Führungsjob. Anders als viele, peile ich keinen Management-Job an, sondern ich möchte neue Technologien kennenlernen.

In der Schweiz gibt es sehr wenig Frauen, die Informatik studieren möchten. Hier bei Axon hat es in jedem Team mindestens eine Frau. Ist das eine Ausnahme oder ist Informatik bei jungen Vietnamesinnen generell beliebt?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Es gibt in Vietnam viele Frauen in der Informatik. Aber viele verlassen den Beruf nach fünf oder zehn Jahren, um sich um Familie und Kinder zu kümmern.

Haben Frauen und Männer die gleichen Löhne in der vietnamesischen IT-Industrie?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Der Lohn hängt von der Qualifikation und dem Verhandlungsgeschick ab. Ich verdiene ein bisschen mehr, weil ich etwas mehr Erfahrung habe. Beim Bewerbungsgespräch werden sehr viele technische Fragen gestellt und wenn man gut ist, verdient man mehr. Man muss aber auch gut über das Gehalt verhandeln. Mein Lohn könnte schon etwas höher sein.

Was muss eine Schweizer Firma tun, um Entwickler in Vietnam zu halten? Was ist für Sie als Angestellte wichtig?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ausländische Firmen in Vietnam machen sich tatsächlich Sorgen über den häufigen Wechsel der Angestellten. Der Hauptgrund ist der Lohn. Die Leute wechseln, weil sie mehr verdienen möchten. Sie vergleichen das eigene Gehalt mit demjenigen in anderen Firmen. Wenn der Unterschied zu gross ist, beginnen wir über einen Wechsel nachzudenken. Es kommt aber auch auf die anderen Angebote einer Firma an. (Anmerkung: Firmen wie Axon Active bieten ihren Mitarbeitenden ein Freizeitprogramm an. Sie haben Sportgruppen, bieten Englisch-Unterricht an und organisieren Firmenausflüge.)

Wie funktioniert die Kommunikation mit Ihren Kollegen in der Schweiz?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Zuerst hatten wir Probleme in der Verständigung. Aber mit mehr Erfahrung verstehen wir uns nun gut. Wir haben gelernt, so lange Fragen zu stellen, bis alles klar ist.

Was ist speziell an der Zusammenarbeit mit Schweizer Kollegen? Gibt es Unterschiede, die Ihnen besonders auffallen?

Lê Thi Hô’ng Nhung: Ich mag die Zusammenarbeit mit Schweizern, speziell Soreco, sehr. Sie sind sehr professionell aber auch freundlich. Die Schweizer, die hierher kommen, sind wirklich nett. Freundlichkeit und gegenseitigen Respekt sind für mich das Wichtigste. (Das Gespräch führte Christoph Hugenschmidt.


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